Typisch deutsch? Von wegen! Eine Studie belegt gelungene Integration von Ausländern und Aussiedlern in den Kleingärtnervereinen. Das Stereotyp vom „typisch deutschen Kleingarten“ entspricht nicht der Realität:

Kleingärtnervereine sind so vielfältig und multikulturell wie der Rest der Gesellschaft. Das belegt eine aktuelle Studie des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG). Von rund 4 Millionen organisierten Gartenfreunden sind demnach rund 300.000 nichtdeutscher Herkunft.

Vor allem in den alten Bundesländern sind Kleingärten zu Orten der Integration geworden: Hier haben 17 Prozent aller im BDG organisierten Kleingärtner einen Migrationshintergrund. Diese Quote übersteigt deutlich den Anteil der ausländischen Mitbürger an der Gesamtbevölkerung (9,6 Prozent in den alten Bundesländern). Bundesweit verbringen Gartenfreunde aus mehr als 80 Nationen ihre Freizeit zusammen auf den Parzellen der Kleingartenanlagen. Dabei bilden Spätaussiedler aus Rußland und Polen sowie türkische Gartenfreunde die größten Gruppen. Sie sind in 60 bzw. 45 Prozent aller Kleingärtnervereine vertreten.

Wie die Studie zeigt, verläuft das Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Herkunft in den Kleingartenanlagen keineswegs immer reibungslos. Als problematisch werden von den Befragten - erfasst wurden fast 450.000 Kleingärtner unterschiedlicher Herkunft - vor allem sprachliche Verständigungsschwierigkeiten empfunden. Eng damit verbunden ist die wiederholt geäußerte Einschätzung, deutsche und nichtdeutsche Kleingärtner hätten unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung von Vorschriften und Regelungen. Anzeichen für einen Kulturkonflikt im Kleingarten kann die Mehrheit der Befragten jedoch nicht erkennen: Gefragt nach besonderen Schwierigkeiten zwischen einheimischen und zugewanderten Pächtern antworteten 51 Prozent mit: keine.

„Der angeblich so deutsche Kleingarten ist zu einem Ort internationaler Gemeinschaft und gelebter Vielfalt geworden“, kommentierte BDG-Präsident Ingo Kleist die Ergebnisse der Studie. „In den Kleingärtnervereinen kommen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen. Sie lernen sich über das geteilte Hobby ,Garten’ kennen, entwickeln etwas Gemeinsames und finden Wege, mit Differenzen zu leben. Die Vereine leisten damit aktive - und gelingende - Integrationsarbeit.“

Wie erfolgreich Kleingärtnervereine die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen unterstützen, zeigen zahlreiche Beispiele vor Ort: So ist etwa in Potsdam auf dem ehemaligen Bundesgartenschaugelände ein 3.000 Quadratmeter großer „Integrationsgarten“ entstanden, der sich zu einem lebendigen Begegnungszentrum für Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer und ansässige deutsche Familien entwickelt hat. In Ossenkamp (NRW) hält der örtliche Kleingärtnerverein Deutschkurse für Aussiedler ab. In Fulda bietet der Kleingärtnerverein „Am Sonnenhang“ einen Ort für sozial benachteiligte Familien unterschiedlichster Nationalitäten - und engagiert sich gleichzeitig mit Beratungsangeboten, Talenttausch-Börse und Gesprächsrunden für einen Stadtteil, der von vielfältigen sozialen Problemen gekennzeichnet ist.

Im Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) unterstützt eine eigene Arbeitsgruppe die interkulturelle Öffnung von Kleingärtnervereinen mit Materialien, Seminaren und Fortbildungsangeboten. „Integration ist ein permanenter Prozess, der engagiert von beiden Seiten vorangetrieben werden muss“, sagte Kleist. Dabei könne es auch immer wieder zu Rückschlägen kommen. Deutliche Kritik übte der BDG-Präsident an der Entscheidung eines Kleingärtnervereins in Niedersachsen, einem türkischen Bewerber aufgrund dessen Nationalität die Aufnahme in den Verein zu verweigern. Dieses Vorgehen sei inakzeptabel und stehe im Widerspruch zu den Prinzipien des Kleingartenwesens. „Kleingärtnervereine sind offen für alle. Nationalität, Herkunft oder Religion dürfen keine Kriterien sein, die über eine Mitgliedschaft entscheiden.“ Kleist warnte jedoch vor Pauschalisierung. Das Fehlverhalten eines einzelnen Vereins, der zudem nicht Mitglied im Bundesverband Deutscher Gartenfreunde sei, dürfe nicht zu einer Verurteilung des gesamten organisierten Kleingartenwesens führen.

Hintergrund

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG) ist der Dachverband der deutschen Kleingärtnervereine. Ihm gehören 19 Landesverbände mit insgesamt 15.200 Vereinen auf Kreis- und Ortsebene an. Die Studie „Integration im Kleingarten“ ist Teil des Leitfadens „Miteinander leben - Integration im Kleingarten“ den der BDG zusammen mit der Otto-Benecke-Stiftung und mit Unterstützung des Bundesamts für Migration publiziert. Befragt wurden 506 Funktionsträger auf Landes-, Kreis- und Ortsebene, die zusammen 449.000 Pächter vertreten. 24.000 davon haben einen Migrationshintergrund. Der Leitfaden wird Anfang April der Öffentlichkeit vorgestellt.