Ein KartoffelturmSara saß zwischen den Beetreihen und seufzte. Sie war etwas enttäuscht und ließ traurig den Kopf hängen.

Hannes stellte die Harke ab und schaute sie verwundert an.

„Bist Du nicht stolz, wie viel wir heute geschafft haben? So viel Gemüse haben wir gesät, gepflanzt und in den anderen Beetreihen Unkraut gejätet. Alles sieht wieder tiptop aus. Warum also schaust Du so traurig?“

Nun wurde auch Igelli aufmerksam und kam näher. Wenn einer seiner Freunde traurig war, verspürte er immer so ein großes Bedürfnis, sie zu trösten.

Noch einmal seufzte Sara schwer. „Ja, ich bin natürlich stolz. Aber auch ein bisschen traurig. Wir haben nämlich gar keine Kartoffeln gepflanzt.“

Hannes sah sich um. „Stimmt. Wir haben alle Beete bepflanzt oder darauf gesät. Da ist auch nirgends mehr genug Platz für Kartoffeln.“

„Aber hätten wir Kartoffeln gepflanzt, hätten wir nicht so viele andere Gemüsesorten setzen können.“ versuchte Igelli Sara zu trösten. Die nickte nur und seufzte ein weiteres Mal. „Ich weiß, Kartoffeln brauchen viel Platz.“ dann schaute sie wieder traurig zu Boden.

Hannes und Igelli sahen sich an. Es schien Sara tatsächlich viel zu bedeuten, dass auch Kartoffeln in ihrem Garten wuchsen. Verständlich war das schon, denn Kartoffeln sind schließlich ein gesundes, nahrhaftes und leckeres Nahrungsmittel. Aber was konnten sie jetzt noch tun, um Sara wieder glücklich zu machen, wo doch alle Beete besetzt waren?

Plötzlich hatte Hannes eine Idee, zwinkerte Igelli zu und machte sich dann mit dem Freund und einer Schubkarre auf den Weg, etwas zu holen.

Sara bemerkte kaum, dass ihre Freunde kurzzeitig weg waren und erschrak richtig, als diese bei ihrer Rückkehr laut riefen „Juhu, Sara, jetzt ist keine Zeit, um traurig zu gucken. Wir brauchen jetzt jede Hilfe, sonst wird das mit den Kartoffeln tatsächlich nichts.“

Ein Kartoffelturm mit grünen BlätternVerdutzt hob Sara den Kopf. Sie verstand nicht, was die Freunde meinten. „Aber wir haben doch gar keinen Platz für Kartoffeln.“ stellte sie erneut fest, doch Hannes und Igelli grinsten breit, während sie auf die Schubkarre deuteten.

Auf dieser lagen Holzleisten mit Einkerbungen. Sara wusste, dass sie solche Leisten schon einmal gesehen hatte, überlegte aber noch, wo, als Igelli ihren Gedanken auf die Sprünge half.
„Hannes hatte eine tolle Idee. Wir bauen dieses Jahr einen Kartoffelturm. Der braucht nicht viel Platz, aber wir werden doch schon ordentlich Kartoffeln ernten.“

„Einen Kartoffelturm?“ fragte Sara ungläubig und die Freunde nickten eifrig.
„Schau,“ Hannes deutete auf die Leisten „das ist ein Komposter aus Holz. Seine Leisten werden ineinander gesteckt und ergeben dann so etwas, wie eine oben offene Kiste. Dort hinein pflanzen wir, in mehreren Schichten, Kartoffeln.“

„Aber zwischen den Leisten sind doch offene Spalten. Rutscht da nicht die Erde raus? Und überhaupt, wie soll das funktionieren, Kartoffeln in mehreren Schichten zu pflanzen? Die untersten Kartoffeln werden dann wohl kaum jemals bis zur Oberfläche wachsen.“

„Das müssen sie auch gar nicht.“ entgegnete diesmal Igelli „Durch die Spalten, zwischen den Leisten, wachsen die Triebe seitlich mit hinaus. Wenn alles so funktioniert, wie wir uns das denken, wird der Turm dann rundum von Kartoffelpflanzen begrünt sein. Damit die Erde nicht durch die Spalten heraus gespült wird, legen wir von innen eine dünne Schicht Heu an die Lücken. Warte ab, das wird bestimmt ein tolles Experiment.“ Sara überlegte. Sie hatten Recht, das konnte klappen. Warum also nicht einmal etwas Neues ausprobieren.

Während Igelli, nach dem Abladen der Leisten, mit er Schubkarre loszog, um Erde und Heu zu holen, dabei mehrmals gehen musste, baute Hannes bereits die ersten Etagen des Komposter auf.
Dann verschwand auch er noch einmal und kehrte mit einem Netz kleiner Kartoffeln zurück.
Nach und nach füllten sie nun immer etwa zwei bis drei handbreit Erde in den Komposter, dichteten die Spalten zwischen den Leisten mit etwas Heu ab und legten dann Kartoffeln auf die Erde. Alle ungefähr eine Handlänge vom Rand entfernt und mit ebenfalls einer guten Handlänge Abstand.
Eine weitere Schicht Erde folgte, auf die dann Kartoffeln gelegt wurden und so ging es Schicht um Schicht, bis der Komposter fast bis zum Rand gefüllt war.

Die letzte Schicht Kartoffeln legten sie nicht nur am Rand entlang, sondern auch in die Mitte, deckten die letzte Erdschicht darauf und betrachteten ihr Werk. Es sah fast aus, wie ein kleines Hochbeet.

Eine Folienkartoffel„Und wie geht es jetzt weiter?“ fragte Sarah neugierig.
„Jetzt müssen wir nichts weiter machen, als abwarten und hin und wieder gießen, wenn es zu trocken wird. Den Rest macht die Natur. Du wirst sehen.“ antwortete Hannes.
Und er behielt Recht. Schon nach wenigen Wochen schoben sich immer mehr Sprösslinge hervor. Oben, schauten sie aus der Erde, aber auch seitlich, da wo die Spalten leicht vom Heu abgedeckt waren.

Es wuchsen immer mehr Kartoffelpflanzen und schon bald konnte man den Komposter kaum noch erkennen, da er im dichten Grün der Kartoffelpflanzen versteckt lag.
Im Spätsommer welkten die Pflanzen und zeigten an, dass die Erntezeit näher rückte.
Kaum war auch das letzte Grün verwelkt, war der Tag gekommen, der zeigen sollte, ob ihr Experiment geglückt war.

Leiste um Leiste, bauten sie den Komposter ab und trugen auch die Erdschichten ab.
Sara jubelte. So viele dicke Kartoffeln versteckten sich dort und kamen nun zum Vorschein. Als sie den ganzen Komposter abgebaut hatten, standen dort tatsächlich zwei volle Eimer, randvoll mit Kartoffeln.

„Das wird ein Fest, wenn wir die Kinder einladen, mit uns Folienkartoffel im Lagerfeuer zu grillen!“ Igelli leckte sich die Lippen und Sara schaute zufrieden zu Hannes hinauf.

„Du, Hannes?“ fragte sie lieb „Meinst Du, wir können das nächstes Jahr wieder machen? So viele Kartoffeln, auf so wenig Fläche angebaut, das ist doch wirklich ein toller Erfolg, meinst Du nicht?“
Und Hannes zwinkerte seiner Freundin verschwörerisch zu. Natürlich würden sie im nächsten Jahr wieder einen Kartoffelturm aufstellen. Vielleicht sogar zwei.

 

Text: Sylvia Koppermann
Foto "Kartoffelturm mit Löchern": T. Lange
Foto "Kartoffelturm mit viel grün": Sylvia Koppermann
Foto "Folienkartoffel": Timo Klostermeier / pixelio.de