Im letzten Jahr ist es vielen Haus- und Kleingärtnern aufgefallen, dass es durch den warmen Sommer vor Distelfaltern an Schmetterlingsflieder, Oregano und Lavendel nur so wimmelte. Wenn man in der Mittagszeit durch den Garten ging und an diesen Pflanzen vorbeikam, stoben ganze Wolken dieser Tiere auf. In diesem Jahr lassen die Falter durch die zu kalte Witterung noch auf sich warten. Doch sie werden kommen. Der Distelfalter ist ein sogenannter Wanderfalter, d.h. er überwintert nicht in unseren Breiten, sondern in Nordafrika. Von dort kommt er ab März ins Mittelmeergebiet, wo er sich das erste Mal fortpflanzt. Die Nachkommen ziehen dann im Mai und Juni nach Mitteleuropa (sie müssen dafür oft über 1000 Kilometer weit fliegen!). Der Falter ernährt sich nur von Nektar, und man findet ihn deshalb an nektarreichen Pflanzen. Doch jeder Schmetterling beginnt sein Leben als Raupe, und diese benötigt als Futter Pflanzen, die sich von den Nektarpflanzen erheblich unterscheiden. Oft sind Schmetterlingsraupen auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert. Das beste Beispiel ist das heimische Tagpfauenauge. Die Raupe dieser Art ernährt sich ausschließlich von der Großen Brennnessel, einer uns allen wohlbekannten Pflanze. Sie ist in der Natur weit verbreitet und kommt auch in unseren Gärten häufig vor. Auf diesem „Allroundtalent" leben allein schon 22 verschiedene Schmetterlingsarten. Die bekanntesten davon sind Admiral, Distelfalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs. Die zwei letztgenannten überwintern als Falter in unseren Breiten. Oft verirren sie sich im Spätsommer in Haus oder Wohnung auf der Suche nach einem Winterquartier. Doch leider sind unsere Wohnungen dafür zu warm und trocken – ein Fuchsbau, eine Höhle oder ein feuchtes Kellergewölbe sind dazu besser geeignet. Deshalb sollte man verirrte Falter wieder nach draußen bringen.

Tagpfauenauge auf einer Asternblüte. Der Falter ernährt sich ausschließlich von NektarTagpfauenauge auf einer Asternblüte. Der Falter ernährt sich ausschließlich von Nektar

Wer in seinem Garten oft sein Möhrenkraut inspiziert, dem ist vielleicht schon einmal eine grüne Raupe mit schwarzen Querstreifen aufgefallen, die auf jedem zweiten Streifen orangerote Pünktchen trägt. Hier handelt es sich um die Raupe des Schwalbenschwanzes, die sich von Doldengewächsen wie Echtem Fenchel, Pastinak und Möhre ernährt. Wenn man an den Möhren abgefressene Blattstängel entdeckt, ist die Schwalbenschwanzraupe meist nicht weit entfernt. Mit ihrem bunten Aussehen signalisiert sie den Vögeln: Ich schmecke nicht! Der Schwalbenschwanz steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und ist besonders schützenswert.

Ein Methusalem unter den Schmetterlingen ist der Zitronenfalter, mit bis zu 12 Monaten Lebenszeit. Er überwintert im Wald in Bodennähe und sitzt oft an Gräsern oder unter Brombeerblättern. Er bleibt den ganzen Winter über dort und kann durch seinen eingebauten Frostschutz – einer Erhöhung der Zellsaftkonzentration – auch Minustemperaturen unbeschadet überstehen. Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken ihn manchmal schon im Februar aus seinem Winterquartier. Um ihn auf der Suche nach Nektar in den Garten zu locken, kann man botanische Krokusse oder andere Frühblüher pflanzen.

 

Claudia Heger