Bald ist das Jahr zu Ende und der Winter beginnt. Im Garten herrscht Ruhe. Doch kann man sich in dieser Jahreszeit ein wenig Farbe ins Zimmer holen: eine Pflanze, die schon meine Großmutter im Winter auf der Fensterbank kultivierte, ist der Ritterstern (lat. Hippeastrum) – im Volksmund auch Amaryllis genannt. Schon als Kind faszinierte mich der Umstand, dass sich aus einer Zwiebel in kürzester Zeit eine solch riesige, samtige tiefrote Blüte entwickeln kann.

Die Amaryllis hat weiße Blütenblätter die eine rote Umrandung haben. In der Mitte ist eine grüngelbe Färbung zu sehen.Eine weißblühende, neuere Züchtung mit zartem rotem Rand.

Wer es sich einfach machen will, kauft eine vorkultivierte Pflanze und stellt sie einfach an ein helles Fenster, das keine direkte Sonne bekommt. Interessant ist jedoch die einfache Anzucht aus der Zwiebel. Für die Blüte zu Weihnachten ist die Pflanzzeit zu spät, doch auch im Januar und Februar können wir uns noch an dieser herrlichen Blüte erfreuen. Beim Kauf der Zwiebel sollte man darauf achten, dass die Wurzeln an der Unterseite dick und fleischig sind. Je mehr Wurzeln sie hat, desto besser wächst die Zwiebel an. Oben aus der Zwiebel sollte nur etwas Grün herausschauen. Der Pflanztopf muss so tief sein, dass nur die Wurzeln der Länge nach hineinpassen, denn die Zwiebel sitzt oben auf der Erde auf. Es empfiehlt sich ein Tontopf, denn der lange Blütenstiel mit den entfalteten Blüten steht dann sicherer. Die Erde sollte gut angedrückt werden, damit die Pflanze genügend Halt hat. Fängt sie an auszutreiben, muss gegossen werden. Täglich kann man das Wachstum beobachten. Um den Wuchs zu begradigen, kann man den Blütenstiel auch an einem Stab anbinden. Doch beim Einstecken in die Erde darf die Zwiebel nicht verletzt werden. Beim Anbinden darf der Stiel nicht brechen, denn dann ist die Blüte hin. Je wärmer der Topf steht, desto schneller treibt die Pflanze aus. Erst kurz vor dem Öffnen der ersten Blüte kann man den Topf etwas kühler (aber hell) stellen, um die Blütezeit zu verlängern. In der Regel sitzen an einem Blütenstiel bis zu 6 Blüten, die sich nacheinander öffnen. Ist die Blüte vorbei schieben sich lange Blätter aus der Zwiebel heraus. Diese ernähren die Zwiebel, damit sie im nächsten Jahr wieder blühen kann. Erst in der Blattphase wird gedüngt und ab Mitte Mai kann man die Pflanze samt Topf nach draußen in den Schatten stellen. Bis in den Juli sollte einmal wöchentlich mit einem Volldünger gedüngt werden. Ab August stellt man die Düngung ein. Beginnen die Blätter gelb zu werden, stellt man auch das Gießen ein. Wenn die Blätter völlig trocken sind, muss man die Zwiebel aus der Erde nehmen und kühl, trocken und dunkel lagern. Nach einer Ruhezeit von ein bis zwei Monaten topft man die Zwiebel wieder ein und die Kultur beginnt von vorn.

Meine Großmutter hat die Rittersterne über mehrere Jahre kultiviert. Die Zwiebeln wurden größer und brachten nacheinander mehrere Blütenstiele hervor und blühten noch länger. In der heutigen, schnelllebigen Zeit macht sich kaum noch jemand die Mühe, den Ritterstern weiter zu kultivieren. Doch wer es einmal probiert, wird mit viel Freude an einer faszinierenden Pflanze belohnt.

 

Claudia Heger