Igelli schaut nach obenIch bin Igelli Igel und gehöre zur in Europa am weitesten verbreiteten Igelart, den Braunbrustigeln. Wir Igel sind meist Einzelgänger. Außer zur Paarungszeit. Danach trennen sich unsere Wege wieder.

Ein ausgewachsener Igel kann eine Körperlänge von bis zu 30 cm erreichen und dabei mehr als 1,5 kg wiegen. Das ist vor allem auch abhängig von der Jahreszeit. Igel halten Winterschlaf. Um die kalten Monate überstehen zu können, brauchen wir ein dickes Fettpolster, von dem wir im Schlaf zehren. Im Frühjahr erwachen wir dann rank und schlank, mit einem riesigen Appetit. Bis zum Herbst müssen wir uns dann wieder ein Fettpolster anfuttern, um auch im nächsten Winterschlaf nicht zu verhungern.

Um genug Fettreserven für den Winter zu haben, müssen Igel im Herbst mindestens 500 Gramm wiegen. Das ist manchmal für noch sehr junge Igel, die in dem Jahr erst spät geboren wurden, schwer zu erreichen. Dennoch ist es nur selten notwendig untergewichtige Igelkinder im Herbst einzufangen und zu überwintern.

So ein Winterschlaf dauert bei uns Igeln übrigens zwischen fünf und sechs Monate und wir verbringen ihn am liebsten in einem kuscheligem Nest aus Laub und Reisig. Daher freuen wir uns immer, wenn Gärtner im Herbst größere Laubhaufen anlegen. Für Euch Menschen sieht das nach einem unordentlichen Garten aus, für uns Igel nach einem tollen Plätzchen für den Winterschlaf. Bei etwa 15°C Außentemperatur, erwachen wir aus dem Winterschlaf.

Und wenn Euer Garten zu unserem Revier zählt, dann könnt Ihr Euch darauf verlassen, dass wir dafür sorgen, Euch auch einige Plagegeister vom Hals zu halten, die sich sonst an Eurem Gemüsebeet vergreifen. Wir fressen nämlich auch Nacktschnecken oder ganz junge Mäuse, auch Wühlmäuse. Allerdings mögen wir ebenfalls Regenwürmer und Ohrwürmer. Eigentlich sind wir absolut nicht wählerisch, was unsere Nahrung betrifft. Insekten, Eier, Käfer, Raupen, Küken, manchmal auch Aas, schmecken uns ebenso. Hin und wieder mögen wir sogar verrottendes Fallobst.

Es gibt manche Geschichten, dass Igel beobachtet wurden, die Obst oder Blätter auf dem Rücken trugen. Diese fressen wir allerdings nicht. Sie sind eher versehentlich an unseren Stacheln hängen geblieben

Ein Igel mit seinem braunen Fell auf dem Bauch und den typischen Stacheln auf dem RückenEin Igel mit seinem braunen Fell auf dem Bauch und den typischen Stacheln auf dem Rücken.Normalerweise sind wir Igel nachtaktiv. Das heißt, wir gehen nachts auf Beutesuche und schlafen tagsüber. In der Dämmerung kannst Du dann unsere schnaufenden Geräusche hören.
Wenn Du Dich einmal einem Igel genähert hast, um ihn vielleicht sogar anzufassen, hast Du wahrscheinlich festgestellt, dass dieser sich zusammenrollte und wie eine stachelige Kugel liegen blieb. Das ist unsere Art uns zu schützen. Wir sind gegenüber Feinden zu langsam, um zu fliehen, daher können wir nur auf den Schutz unserer Stachel vertrauen. Rollen wir uns zusammen, dabei richten sich die Stacheln starr auf und ein Feind versucht uns zu fressen, beißt er auf mehrere tausend Stacheln, die ihn fürchterlich piksen. Diese Stachel sind eine Art verhornte Haare.

Leider wird vielen Igeln das Zusammenrollen zum Verhängnis. Zum Beispiel auf Straßen. Nähert sich ein Auto, rollen wir uns zusammen, aber gegen ein Auto haben wir keine Chance. So werden jedes Jahr unzählige Igel überfahren.

Wir Igel haben einen ausgezeichneten Geruchssinn und können unsere lange Schnauze, ähnlich wie Maulwürfe, in verschiedene Richtungen bewegen. Da wir nachts nach Nahrung suchen, müssen wir nicht gut sehen können. Riechen, tasten und hören, ist da für uns wichtiger.
Hast Du schon einmal im Frühjahr zwei Igel gesehen, die mit aufgestellten Stacheln fast tanzten und aussahen, als würden sie Karussell fahren? Dann konntest Du die Annäherungsversuche eine Männchens sehen, das ein Weibchen gefunden hat, mit dem es sich paaren möchte. Die Weibchen sind nämlich nicht gleich begeistert, wenn das Männchen sich ihnen nähert. Sie wollen geduldig erobert werden, was durchaus mehrere Stunden dauern kann.

Nach der Paarung bleiben die Männchen manchmal noch eine Zeit in der Nähe des Weibchens, Dieses verjagt das Männchen jedoch spätestens kurz vor der Geburt.
Eine Schwangerschaft bei Igeln dauert etwa 35 Tage. Kurz vor der Geburt, baut das Weibchen ein Nest aus trockenen Gräsern und Blättern, in einem Unterschlupf, der regengeschützt ist. Dort werden die zwei bis zehn Jungen geboren. Schon bei der Geburt haben unsere kleine Igel Stachel. Noch wenige und anfangs sehr weiche, aber je älter sie werden, je mehr Stacheln bilden sich, welche ebenso hart werden, wie die von uns Erwachsenen.

Igelweibchen sollten auf gar keinen Fall bei der Geburt oder kurz danach gestört werden! Es kann passieren, dass sie ihre Jungen dann töten. Das klingt grausam, aber ist von der Igelmutter eher als Schutz gemeint, um ihre Kleinen davor zu bewahren, von Feinden gefressen zu werden.

Und Feinde haben auch ausgewachsene Igel. Raubvögel, Marder und Füchse, zählen dazu.
Leider bekommen Igel auch schnell Parasiten, wie Flöhe und Zecken, die sich zwischen den dichten Stacheln einnisten. Diese können den Igel, dessen Blut sie saugen, sehr schwächen.
Wie alt Igel werden, kann niemand genau sagen. In freier Natur schätzt man die Lebenserwartung auf etwa sieben Jahre. In Gefangenschaft wurde aber bereits von Igeln berichtet, die zehn Jahre alt wurden.

Leider werden Igel immer seltener. Das liegt daran, dass sie kaum noch Lebensraum finden, der ihnen den nötigen Unterschlupf bietet. Zudem sterben immer mehr Igel durch Autos auf den Straßen.


Text: Sylvia Koppermann
Foto "Igel": Frank Hollenbach / pixelio.de