Die rosa-farbige Sara trägt eine braune Mütze und roten LippenstiftIch bin Sara Wurm. Naja, eigentlich bin ich gar kein Mädchen, denn wir Regenwürmer sind Zwitter. Das heißt, wir besitzen sowohl männliche, als auch weibliche Fortpflanzungsorgane. Bei uns gibt es also keine Jungen und Mädchen, wir sind beides. Unter der Bezeichnung Regenwurm, werden mehrere Arten, die sich sehr ähnlich sind, zusammengefasst. Dazu gehören auch Tauwürmer und Kompost- oder Mistwurm.

Unseren Namen, Regenwurm haben wir bekommen, weil wir bei Regen aus unseren unterirdischen Gängen, an die Erdoberfläche kommen. Nicht, weil es uns Spaß macht, uns vom Regen duschen zu lassen. Nein, Regen stellt für uns Regenwürmer eine wirkliche Gefahr dar. Das Regenwasser läuft in unsere Erdgänge, überflutet sie und wir könnten ertrinken. Daher versuchen wir natürlich, vor dem Wasser zu entkommen.

Diese Angst vorm Ertrinken, machen sich auch Vögel zunutze, bei denen wir mit auf dem Speiseplan stehen. Wenn sie über den Boden hüpfen, klingt das unterirdisch ähnlich wie auf die Erde fallende Tropfen. Also verlassen wir unsere Gänge, kommen an die Oberfläche, wo uns die Vögel nur noch einsammeln müssen.

Wenn Du schon ein bisschen über uns Regenwürmer weißt wird Dir vielleicht auch bekannt sein, dass wir keine Atmungsorgane haben, wie viele andere Tiere. Wir nehmen den Sauerstoff über unserer Haut auf.

Der Körper eines Regenwurms besteht aus vielen Segmenten, an denen sich winzige Borsten befinden. Sie sehen für Dich eher aus, wie breitere Ringe. Diese Segmente können wir strecken und zusammen ziehen. Auf diese Weise ist es uns möglich zu kriechen.

Unsere Haut ist sehr empfindlich. Sie kann schnell austrocknen. Daher ist es wichtig für uns, unter der Erde zu leben, wo die Bodenfeuchtigkeit eine Austrocknung verhindert.

Einer von Saras Artgenossen bei der täglichen ArbeitEiner von meinen Artgenossen bei der täglichen ArbeitFrüher dachten die Menschen, wenn man einen Regenwurm zerteilt, verheilen beide Teile und regenerieren sich zu zwei neuen Regenwürmern. Das stimmt so nicht. Regenwürmer sind nur bedingt regenerationsfähig. Das heißt, werden uns Segmente unseres Körpers abgetrennt, kommt es darauf an, in welchen Bereichen und wie viele der Ringe abgetrennt wurden. Sind es nur wenige, schafft es unser Körper meist, die abgetrennten Segmente neu zu bilden. Du solltest aber nicht ausprobieren, uns Segmente abzutrennen, um herauszufinden, wie wir sie nachbilden. Das ist für uns nämlich nicht gerade angenehm und braucht viel Zeit und Kraft.

Erwachsene Regenwürmer haben eine Art Verdickung, die aus mehreren Segmenten besteht. Diese Verdickung nennt man Sattel oder auch Gürtel. Bei der Paarung wird über den Sattel vermehrt Schleim gebildet, der die Übertragung der Spermien erleichtert.
Ein befruchteter Regenwurm legt nicht direkt Eier, sondern bildet winzige Kokons, in die jeweils die Eier gelegt werden.

Augen und Ohren, besitzen wir Regenwürmer nicht. Durch spezielle Zellen können wir zwar hell und dunkel unterscheiden, aber nicht wirklich sehen. Über unsere Haut ertasten wir unser Umgebung und spüren Erschütterungen. Riechen können wir ebenfalls nicht, wohl aber schmecken. Und da kommen wir auch schon dazu, was wir Regenwürmer eigentlich fressen.
Tiere stehen nicht auf unserem Speiseplan. Dafür aber abgestorbene Pflanzenteile. Da uns Kauwerkzeuge fehlen, saugen wir uns beispielsweise an verrottenden Blättern fest, ziehen diese in unsere unterirdischen Gänge, wo wir später, die zerfallenden Pflanzenteile verspeisen. Der Kot, den wir ausscheiden, wird zur nährstoffreichen Erde.

Aus diesem Grund sind wir in jedem Garten wichtige Helfer, denn wir sorgen nicht nur mit dafür, dass verrottende Pflanzenteile schneller zersetzt werden können, sondern helfen auch, durch unseren Kot, die Qualität des Boden zu verbessern, ihn also auch zu düngen, was den wachsenden Pflanzen dann zugute kommt.

Außerdem lockern wir mit unseren Gängen den Boden auf. Das ist sehr wichtig, denn wenn sich der Boden zu sehr verdichtet, kann er nicht mehr genügend Wasser eindringen, das von den Wurzeln der Pflanzen aufgenommen wird.

Da wir viele Feinde haben, die uns fressen, ist unsere Lebenserwartung nicht besonders hoch. Es gab aber schon Exemplare, die in Gefangenschaft älter als 10 Jahre wurden.

Autorin: Sylvia Koppermann
Foto "Wurm": M.Großmann / pixelio.de