Der Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau" ist Deutschlands wichtigster Ideenwettbewerb zur urbanen Gartenkultur. Er wurde 1951 ins Leben gerufen und fand in diesem Jahr bereits zum 22. Mal statt.

Unter dem Motto „Leben und Begegnen im Grünen" haben sich 28 Kleingärtnervereine aus 27 Städten bundesweit für die Endrunde qualifiziert.

Für den Landesverband Braunschweig haben sich der Kleingärtnerverein Tiefenriede und der Kleingärtnerverein Gunther qualifiziert und gewonnen.

Eine Sitzgruppe, bestehend aus zwei Holzklappstühlen und einem Tisch wo sich weiße Blumen darauf befinden. Der hintere Bereich der Sitzgruppe wird mit einer grünen Hecke umgeben.Der Kleingärtnerverein „Tiefenriede" sieht sich selbst als eine große Familie. Und zu dieser Familie möchten viele dazugehören: Derzeit warten 18 Anwärter auf eine freie Parzelle. Ein Grund für die große Anziehungskraft ist sicher die gute Mischung im Verein. Junge Familien und ältere Paare gärtnern hier einträchtig nebeneinander. Außerdem ist die Kolonie durch ihre zahlreichen Feste, Spiel- und Sportaktionen im Stadtbezirk gut bekannt. Um sich auch mit anderen Aktiven des Stadtteils zu vernetzen, ist die „Tiefenriede" Mitglied im Arbeitskreis Südstädter Vereine. Und auch die Vereinsmitglieder pflegen den Kontakt nach Außen: Viele nehmen jedes Jahr am Projekt „Offene Gartenpforte" teil und lassen interessierte Menschen einen Blick in ihre kleinen Oasen werfen.

Die Gartenanlage liegt sehr zentral im Stadtteil Südstadt. Die städtebauliche Einordnung der Kolonie ist gut, sie ist mit Bus und Bahn genauso zu erreichen wie zu Fuß oder mit dem Fahrrad. In unmittelbarere Nähe stehen mehrere Seniorenwohnanlagen und auch der Spielpark Tiefenriede ist nebenan.

Ein geschwungener Steinweg durch einen Garten. Links und rechts sind unterschiedliche Blumen angepflanzt, im Hintergrund ist ein Apfelbaum zu sehen.In Gestaltung und Ausstattung beeindruckt die „Tiefenriede" mit individuell und vielfältig gestalteten Einzelgärten. Einige Parzellen sind als Themengärten, zum Beispiel als Rosengarten gestaltet. Einziger Wehrmutstropfen bei diesem Engagement: Die kleingärtnerische Nutzung, also der Anbau von Obst und Gemüse, könnte etwas intensiver sein.

Die gut aufgestellte Fachberatung des Vereins setzt sich für Ökologie und Nachhaltigkeit ein. Jeden Monat finden im Vereinsheim Beratungsstunden rund um Garten und Pflanzen statt.

Die familiäre, offene Atmosphäre des Vereins macht auch das Projekt im Sinne der sozialen Stadt aus. Der Verein pflegt ein enges Verhältnis zu den Bewohnerinnen und Bewohnern des nahe gelegenen Flüchtlingsheimes. Mittlerweile sind viele Freundschaften zwischen den Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern und den Familien aus dem Heim entstanden. Der Verein macht damit deutlich, wie gut Kleingärten zur Integration beitragen können und eine Verständigung über kulturelle Grenzen hinweg möglich machen.

Ausgezeichnet wurde die Kleingärtneranlage Tiefenriede mit „Silber".

Ein breiter Weg durch die Anlage des KGV Gunther. Auf diesem stehen versetzt große, mit dunklem Holz verkleidete, Blümenkübel. Die Blumen leuchten in den Farben rosa, weiß, orange und gelb.Der Braunschweiger Kleingärtnerverein „Gunther" ist weit mehr als ein Gartenverein. In der Gesangsgruppe „Guntheraner" wird gemeinsam musiziert, die Frauen treffen sich in der Gruppe „Lustige Maschen" und auch einen Koch-Klub gibt es. Jeder ist hier willkommen, viele Nationen gärtnern friedlich nebeneinander. Bei zahlreichen Festen kommen alle Mitglieder schnell miteinander ins Gespräch.

Die städtebauliche Einordnung der Kolonie ist günstig: Sie liegt im Braunschweiger Stadtteil „Schwarzer Berg", einer Neubausiedlung mit vielen Etagenwohnungen ohne eigenen Garten. Von hier ist die Anlage zu Fuß oder mit dem Fahrrad leicht zu erreichen.

Dass Gemeinsamkeit hier großgeschrieben wird lässt sich auch an der Gestaltung und Ausstattung der Kolonie erkennen. Das Vereinsheim ist sehr schön hergerichtet, sein Vorplatz wird durch einen Maibaum geschmückt. Für Nicht-Mitglieder wirkt die Anlage allerdings leider wenig einladend. Ein massives Tor versperrt den Zugang. Dabei laden die gut ausgebauten Wege und liebevoll gestalteten Ruhezonen eigentlich zum Spazieren ein.

Eine überdachte Sitzecke mit massiven dunkelbraunen Sitzbänken unter einem großen weißen Sonnenschirm. Vorne sind drei auf dem Fußboden stehende BlumenkübelSchon das Vereinsmotto „Bringt Leben in die Gärten" verrät, dass Ökologie und Nachhaltigkeit den Gartenfreunden wichtig ist. Vögel, Insekten und Kleintiere sollen gezielt in der Kolonie angesiedelt werden. Ausführliche Infotafeln zeigen den Gärtnerinnen und Gärtnern nicht nur den Nutzen der Tiere auf, sondern geben auch Tipps, wie sich die kleinen Helfer besonders wohl fühlen.

„Gunther" ist nicht nur für seine Mitglieder eine wichtige Institution, der Verein wirkt auch über die Grenzen seiner Anlage hinaus. Dafür sorgen verschiedene Projekte im Sinne der sozialen Stadt. Zum Beispiel besteht eine Kooperation mit dem Verein „Weggefährten", einer Elternhilfe zur Unterstützung tumorkranker Kinder in Braunschweig. Die Einnahmen der vielen Vereinsfeste werden an den Verein gespendet. Zusätzlich helfen die Gartenfreunde mit Sachspenden aus. Auch zur Christuskirche Schwarzer Berg halten die Gärtnerinnen und Gärtner engen Kontakt und unterstützen unter anderem das jährliche Erntedankfest.

Ausgezeichnet wurde die Kleingärtneranlage Gunther mit „Bronze".

Den Siegern herzlichen Glückwunsch, denen die es in diesem Jahr nicht auf das „Treppchen" geschafft haben wissen, der nächste Wettbewerb kommt ganz bestimmt.