Mehrere Gäste und Gartenfreunde bei der Eröffnung des Interkulturellen Gartens. Aufgebaut sind ein weißes Veranstaltungszelt sowie ein blauer und ein weißer Wetterschutz.Am 28. September 2007 wurde im Norden Braunschweig, im Kleingärtnerverein Heideland e.V., der erste interkulturelle Kleingarten eingeweiht. Unter der Regie von Mitarbeiterinnen des Büros für Migrationsfragen haben Flüchtlinge die vorhandene Laube saniert und den Garten neu angelegt. Träger ist das Büro für Migrationsfragen der Stadt Braunschweig. Er startete als Teil des Projektes „Gesunde Stadt – Flüchtlinge in Braunschweig (FliBS)" und dem Nachfolgeprojekt „Gesund leben in Braunschweig" (GliBS)", gefördert von der Europäischen Union – dem Europäischen Flüchtlingsfond.

In den Garten kommen Menschen, die meist unter dramatischen Umständen aus ihrer Heimat geflohen sind. Sie suchen einen Ort, an dem sie Willkommen sind und wo jemand ist, der ihnen zuhört, der ihnen bei einigen Problemen auch Lösungen anbieten kann. Für diese Menschen ist der Garten ein Ort, der Geborgenheit und Schutz bietet, den sie ohne Angst aufsuchen können.
Je nach persönlicher Stimmung entscheiden die Projektteilnehmer ob sie im Garten arbeiten, miteinander reden oder nur Ruhe finden möchten.
Alles was im Garten geerntet wird, wird dort verarbeitet, zubereitet und bei gemeinsamen Mahlzeiten verspeist.

Geleitet wird das Projekt von Martina Krüger, Dipl. Pädagogin, Schwerpunkt Gesundheits- und Integrationsförderung für Flüchtlinge. Sie ist der Profi, der mit Sachverstand und großem persönlichen Engagement auf die Menschen eingeht.
Martina Krüger führt im Garten auch psycho-soziale Beratungsgespräche. Bei Bedarf werden die Flüchtlinge an die gesundheitlichen oder sozialen Regeldienste vermittelt. Erwähnenswert ist, dass weitere Honorarmitarbeiter/innen, die selbst Migrationshintergrund haben den Flüchtlingen häufig als erste Ansprechpartner oder Brückenglieder zur Verfügung stehen.

Eine der Skulpturen, die Menschen aus 10 Nationen gemeinsam mit Mitglieder des KGV Heideland und der Künstlerin Nejla Gür erstellt haben. Sie zeigt eine Frau, deren Körper weiße, schwarze und rote Haut besitzt. Sie spielt mit ihren Händen eine buntgestaltete Trommel.Es werden regelmäßig gemeinsame Aktivitäten im Garten organisiert und durchgeführt, zum Beispiel:

  • Ernährungs- , Selbstbehauptungs-, Entspannungskurse,
  • Gesundheitsprojekte,
  • Sportangebote,
  • Kunstprojekte (Modellieren von Skulpturen, Mosaikarbeiten),
  • Kunstausstellung,
  • Informationstage zu aktuellen sozialen Fragen,
  • Feier zum 25. bundesweiten Tag des Flüchtlings,
  • Afrikanisch/Haitianischer Abend,
  • Sommerabschluss „black summer".

Das Projekt in der Kleingartenanlage Heideland ist inzwischen über die Grenzen Braunschweigs hinaus bekannt. Im September 2011 wurde der „Interkulturelle Kleingarten" auf Vorschlag des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde im Rahmen des Internationalen Kongresses des Office International, in Kopenhagen mit einer Ehrenurkunde für soziales Engagement ausgezeichnet.

Jimmy Nestor, Mitglied der Gruppe „Los Pepinos International", Flüchtling aus Haiti und seit 1997 im Interkulturellen Garten dabei, hielt 2010 zum Tag des Flüchtlings folgende kurze Ansprache:

Jimmy Nestor während der Einweihungsfeier unserer neuen Geschäftsstelle am 23.11.2013„Ein Flüchtling ist Jemand, der mit seiner Vergangenheit kämpft, um die Realität zu akzeptieren, damit er eine neue Heimat finden kann. Überall wird heute im Rahmen der „Interkulturellen Woche" der „Tag des Flüchtlings" gefeiert, so auch in Braunschweig. Heute in Braunschweig sind wir hier im Interkulturellen Garten. Vielleicht fragen Sie sich, warum feiern die den „Tag des Flüchtlings" in einem Garten? Der Interkulturelle Garten ist nicht nur ein Garten, er ist noch mehr: Dieser Garten ist ein Haus, in dem wir – trotz unserer unterschiedlichen Herkunft, Religion, Bleiberechtsstatus – eine starke Familie sind! Wo wir nicht mehr als Flüchtlinge gezeichnet sind, sondern als Bürger.
Wo wir Deutsch ohne Angst sprechen können.
Wo nicht eine Person allein am Tisch beim Essen sitzt, sondern die ganze Familie.
Wo man einfach raus kommt aus der Vergangenheit, raus aus dem Stress, der Bürokratie und allem, was das Leben schwer macht. Ich glaube, wenn wir über Flüchtlinge in Braunschweig sprechen, ist der Interkulturelle Garten einer der besten Plätze, um mit einer schlimmen Vergangenheit klar zu kommen. In einem Wort kann ich sagen: Es ist eine Anti-Posttraumatische-Garten-Klinik. Lasst uns als Gärtner den Tag des Flüchtlings feiern!"

Besser kann man diesen Ort im KGV Heideland nicht beschreiben.