Wer sich von den Älteren noch an seine Kindheit auf dem Land erinnern kann, kennt noch Kornfelder, an deren Rand es rot, blau, weiß und gelb blühte. Feldblumen wie Kornblume, Klatschmohn, Kornrade, Ackerrittersporn, Echte Kamille und Ackerringelblume kamen noch sehr häufig vor. Leider ist dieses Bild durch die intensive Landwirtschaft schon fast verschwunden. Wer sich ein bisschen Nostalgie in den Garten holen will, kann das jetzt noch tun. Der Samen dieser Pflanzen wird mittlerweile im gut sortierten Gartenfachhandel schon in züchterisch verbesserter – und für den meist nährstoffreichen Gartenboden geeigneter – Form angeboten. An erster Stelle ist die Kornblume zu nennen. Die Wildform hat eine etwas lockerere Blüte und blüht ausschließlich blau. Heute gibt es Zuchtformen auch in den Farben Rosa, Weiß und sogar Schwarzrot oder Weinrot. Der Klatschmohn, in der Natur ausschließlich leuchtend rot, blüht heute auch in weiß, in verschiedenen Rosatönen und sogar scharlachrot. Er ist im Handel als Seidenmohn bekannt. Die heute weniger bekannte Kornrade findet man unter dem Sortennamen ‚Milas' mittlerweile auch im Handel. Der ausschließlich blau blühende Ackerrittersporn hat in unseren Gärten ein Pendant, den mit ihm recht nah verwandten Sommerrittersporn, der von blau über violett und rosa bis weiß blüht. Echte Kamille und Ringelblume sind als Heilpflanzen in den heutigen Haus- und Kleingärten sowieso wieder vertreten.

Die Kornblume ist neben dem Klatschmohn die wohl bekannteste Feldblume. Hier im Bild eine züchterisch verbesserte gefüllte Gartenform.Die Kornblume ist neben dem Klatschmohn die wohl bekannteste Feldblume. Hier im Bild eine züchterisch verbesserte gefüllte Gartenform.

Für die Aussaat dieser Pflanzen benötigt man nur ein paar Quadratmeter. Diese Fläche sollte nicht extra gedüngt sein. Am besten mischt man die Samen vor der Aussaat, streut sie breitwürfig auf den feinkrümelig gelockerten Boden und harkt sie leicht ein. Auf regelmäßige Bewässerung sollte geachtet werden. Nach dem Keimen haben die Pflanzen vor dem Winter noch genügend Zeit sich zu entwickeln. Alle überstehen den Winter als Jungpflanzen und können daher im kommenden Jahr früher blühen als die einjährigen Sommerblumen.

Wer einmal in ein Neubaugebiet geschaut hat, sieht im ersten Jahr auf dem neu aufgeschütteten Mutterboden die echten Feldblumen blühen und wundert sich, wenn sie im nächsten Jahr dort nicht mehr wachsen. Das liegt daran, dass sich die Pflanzen nur auf frisch umgebrochenem Boden ansiedeln können. Wenn sich der Boden im nächsten Jahr gesetzt hat, sind diese Pflanzen gegenüber den Mehrjährigen nicht mehr konkurrenzfähig. Das können wir in unserem Garten durch jährliches Umbrechen (Durchharken) der Fläche verhindern, denn Feldblumen säen sich dann immer wieder von selbst aus – allerdings nicht nur auf der für sie vorgesehenen Fläche. Doch wer das weiß, kann rechtzeitig eingreifen. So hat man jedes Jahr ein kleines Fleckchen, das in allen Farben blüht, nicht viel Arbeit macht und viele Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge in den Garten zieht. In der heutigen Zeit, wo viele Arten schon ausgestorben sind, sollten wenigstens wir Haus- und Kleingärtner die Chance nutzen, einen kleinen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.


Claudia Heger