Nachdem die ersten leichten Nachtfröste die Sommerblumen geschädigt haben, ist es nicht mehr zu übersehen: der Herbst ist da. Abgesehen von der Schönheit eines von verschiedenen Farben gefärbten Waldes bei strahlend blauen Himmel und Sonnenschein, stellt der anschließende Laubfall uns Haus- und Kleingärtner vor ein Problem: Wohin mit dem Laub?

Goldbraun gefärbte Baumblätter, die durch die Sonne angescheint werdenDas Blatt der Blutjohannisbeere zeigt das ganze Spektrum der Herbstfärbung: Reste von Grün, Gelb, Rot und Braun.

Wenn die Tageslänge abnimmt, bereitet sich die Natur auf den nahenden Winter vor. Sommergrüne Laubgehölze bauen Proteine, Stickstoff und Phosphat ab und lagern sie im Speichergewebe des Holzes ein. Diese Stoffe sind wertvoll und werden im nächsten Jahr wieder gebraucht. Das Chlorophyll wird in eine farblose Form umgebaut, denn es hat jetzt keine Funktion mehr. Dadurch werden Farbstoffe sichtbar, die im Sommer vom Grün des Chlorophylls überdeckt wurden: gelblich-grüne Carotinoide, kräftig rote Anthocyane.

Um das anfallende Laub zu „entsorgen", gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nur die allerletzte Lösung sollte in einer Entsorgung auf der Deponie bestehen, denn Laub ist Biomasse, die im Kreislauf eines ökologisch bewirtschafteten Gartens verbleiben sollte. Die einzigen Ausnahmen sind Eichen- und Walnusslaub. Die Blätter dieser Bäume haben einen sehr hohen Gehalt an Gerbstoffen und verrotten deshalb sehr, sehr langsam.

Wer Staudenbeete oder Gehölzhecken hat, sollte dort das Laub liegen lassen, denn es ist ein sehr guter Schutz vor Kahlfrösten, bzw. Austrocknung durch den kalten Wind. Es sollte jedoch nicht dicker als 5 cm aufliegen, sonst ersticken die Pflanzen darunter. Außerdem bietet es vielen Insekten, vor allem auch Nützlingen, eine Möglichkeit, den Winter schadlos zu überstehen. Bei wärmeren Temperaturen sind Regenwürmer und Mikroorganismen darunter aktiv und setzen die Schicht, die dem Boden aufliegt in wertvollen Humus um. Wer im Frühling senkrecht stehende Büschel von Laub und Stielen entdeckt, beobachtet das Werk des Regenwurms. Er zieht das Laub in seinen Gang, um es zu fressen und wieder in Humus umzuwandeln. Wenn Platz vorhanden ist, sollte man einen Laubhaufen windgeschützt liegen lassen, damit der Igel und andere Tiere eine Überwinterungsmöglichkeit finden.

Von Zierrasen muss das Laub jedoch regelmäßig entfernt werden, denn bei Feuchtigkeit beginnt es zu faulen und kann den Rasen nachhaltig schädigen. Dieses Laub kann auf dem Kompost mit anderen Pflanzenresten oder Erde vermischt werden. Wer größere Mengen von Laub hat, sollte über die Anlage eines Hügel- oder Hochbeets nachdenken, wenn auch noch Äste vom Baumschnitt anfallen. Ist das Laub trocken, kann es in Säcke abgefüllt und nach und nach auf den Kompost gegeben werden.

In der Natur ist „Recycling" selbstverständlich. Das abgefallene Laub bleibt unter dem Baum liegen und wird von den Mikroorganismen nach und nach abgebaut und stellt in ein oder zwei Jahren die in ihm enthaltenen Nährstoffe dem Baum wieder zur Verfügung. Der Kreislauf ist geschlossen. Wir Haus- und Kleingärtner gehen den gleichen Weg, nur mit einem kleinen Umweg: über den Kompost.

 

Claudia Heger